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Was ist eigentlich Linux?

Viele haben den Begriff schon einmal gehört, können damit allerdings nichts anfangen.

Was ist Linux denn jetzt eigentlich? Die Antwort: Ein Betriebssystem. Und was ist das schon wieder?

Wikipedia sagt:

Ein Betriebssystem ist die Software, die die Verwendung (den Betrieb) eines Computers ermöglicht. Es verwaltet Betriebsmittel wie Speicher, Ein- und Ausgabegeräte und steuert die Ausführung von Programmen.

Kurz und bündig: um irgendetwas mit einem Gerät machen zu können, in dem ein Computerchip eingebaut ist, braucht man ein Betriebssystem.

Also sind auch Windows und macOS (das, was auf den Computern mit dem Apfel drauf läuft) Betriebssysteme. Auch viele MP3-Player wie z.B. der populäre iPod oder Smartphones haben heutzutage ein Betriebssystem.

Linux kannst Du auf jedem Computer installieren – und zwar nicht nur auf Deinem privaten PC, sondern auf den verschiedensten Geräten mit den verschiedensten Prozessorarchitekturen. Von kleinen Geräten wie Android-Smartphones, Sensorik in der Industrie über Kühlschränke, Autos, Melkmaschinen und Großrechner bis hin zur ISS – es gibt eigentlich nichts, was nicht mit Linux läuft. Da gibt es ein tolles Video von Brian Lunduke namens "Linux is weird", in dem einige Beispiele angeführt werden.

Die embedded-Welt (also Computer, die in Geräten sind, deren Software man nicht selbst anpasst) wird von Linux mit einem Marktanteil von fast 70% dominiert, während auf privaten Desktop-Rechnern ca. 2,5% aller PCs weltweit mit Linux laufen – das sind mehrere Millionen Geräte. Bei den 500 schnellsten Supercomputern der Welt laufen sogar unglaubliche 100% (Stand Nov. 2017) mit Linux!

Nahezu alle Menschen kaufen sich einen Computer, schalten ihn ein und legen los. Meistens ist das Betriebssystem Microsoft Windows installiert (auf Apple-Rechnern macOS). Wenn nicht, kauft man es sich und lässt es installieren. Hat ja schließlich jeder. Aus dieser Bequemlichkeit heraus schauen die wenigsten Leute einmal über den Tellerrand und informieren sich über Alternativen, die unter Umständen sogar besser sein könnten. Obwohl man sich dauernd über die Macken des Systems ärgert ("Verdammt, jetzt ist der doofe Computer schon wieder abgestürzt!" oder auch "Warum kann ich den PC nicht benutzen, wenn er Updates macht?"), benutzt man es weiter - viele kennen eben keine Alternativen.

Dabei gibt es so viele Dinge, die Linux anscheinend besser macht als die Konkurrenz. Allein der Preis ist schon konkurrenzfähig: 0,00€.

"Was? Ein ganzes Betriebssystem kostenlos?", wird sich manch einer jetzt fragen. Ja, Du hast richtig gehört: Linux gibt’s umsonst! Das kommt daher, da das Betriebssystem nicht wie Windows von einer Firma entwickelt wird, sondern von einer ganzen Schar von freiwilligen Entwicklern. Der Programmcode von Linux ist öffentlich zugänglich - jeder, der mag (und fähig dazu ist), kann mitarbeiten.

Bei Windows entscheidet allein Microsoft, welche Funktionen das Betriebssystem beherrscht, bei Linux kann man alles nachrüsten und sogar bei der Entwicklung helfen, selbst wenn man nicht programmieren kann. Der Großteil der für Linux verfügbaren Programme ist frei verfügbar. Windows oder die Software muss man so nicht mehr raubkopieren.

Die Entwickler von Linux wollen Windows nicht ersetzen, sondern eine Alternative anbieten. Die Bedienung von Linux ist eine große Umgewöhnung: es gibt keine Laufwerksbuchstaben (C:, D:), keinen Arbeitsplatz, keine Systemsteuerung. Windows-Programme laufen nicht, da sie für ein anderes Betriebssystem geschrieben wurden.

Nach kurzer Zeit erkennt man, dass hinter dem augenscheinlichen Wirrwarr ein logischeres System als hinter Windows steckt - angeblich soll Linux für komplette Anfänger, die noch nie einen PC bedient haben, sogar einfacher zu erlernen sein!

Für die vermissten Windows-Programme hat man schnell Alternativen gefunden. Falls man für einige unbedingt benötigte Software keinen Ersatz findet, kann man versuchen, diese mit speziellen Programmen unter Linux zu installieren (Emulation). Man kann auch Windows auch noch als zweites Betriebssystem installiert lassen oder innerhalb von Linux starten; letztere Methode benötigt allerdings einen schnellen Rechner.

Linux kommt nicht wie Windows mit nur einem Desktop daher. Es lassen sich verschiene Desktop-Umgebungen (Desktop Environments) oder Fenstermanger (Window Manager) testen und installieren.

Für Umsteiger von Windows könnten sich zum Beispiel KDE oder Xfce anbieten, Umsteiger von macOS finden in Pantheon, welches standardmäßig bei elementaryOS verwendet wird, eine optisch ähnlich anmutende Umgebung.

Sollte ein älterer PC verwendet werden, ist anzuraten, sich vorher die Anforderungen des jeweiligen Desktop Environments anzusehen. In aller Regel sollte alle PCs die nicht älter als 4 Jahre sind ohne Probleme mit allen Desktops funktionieren, aber Xfce, LxQt und andere leichtgewichtige Fensterumgebungen sind speziell auf Systeme mit begrenzten Ressourcen zugeschnitten.

Häufig werde ich gefragt, ob es denn ICQ, WhatsApp, Firefox, Chrome, Call of Duty, Spiel X oder Software Y für Linux geben würde. Firefox, VLC und viele andere Open-Source-Programme zum Beispiel laufen nicht nur einwandfrei unter Linux – sie wurden sogar von "Linuxern" mitentwickelt. Die meisten Programme für Linux finden sich kostenlos im Paketmanager (dazu mehr weiter unten).

Für Messenger wie ICQ, Telegram und MSN gibt es sogar Programme, mit denen man sich in mehrere Messenger gleichzeitig einloggen kann, beispielsweise Pidgin. Auch kann man – einen installierten Internet-Browser vorausgesetzt – jede Seite ansurfen, die man unter Windows auch besuchen kann. Ebenso kann man mit Linux Online-Games und Videostreaming-Seiten wie YouTube, Amazon Prime Video und Netflix benutzen, da Internetanwendungen betriebssystemunabhängig sind. Auch die Web-Apps von Telegram, WhatsApp und Threema sind somit kein Problem.

Die Seite alternativeTo.net bietet eine Suchmaschine für Alternativen bekannter Programme, die man auch nach Linux-Programmen durchsuchen kann.

Mangels Popularität werden nicht übermäßig viele Spiele für Linux entwickelt. Die Steam-Datenbank beinhaltet beispielsweise "nur" 2403 funktionierende Linux-Spiele, während es über 14.000 Windows-Spiele gibt (Stand 7/2017). Schaut man in die Top 20 der Spiele auf Steam, sind jedoch bereits ca. 50% der Spiele für Linux verfügbar.

Manche Spiele, die nicht nativ unter Linux lauffähig sind, kann man mit dem Emulator WINE recht gut zum Laufen bekommen. Es gibt mit Lutris auch eine nette Oberfläche, die mehrere verschiedene Plattformen für Spiele unter Linux vereinheitlicht und die Installation mit kleineren Anpassungen vereinfacht.

Ein weiterer Pluspunkt von Linux: es ist sehr sicher. Es gibt keine Viren, Trojaner und Spionage-Programme für Linux und durch den offengelegten Quellcode kann man Hintertüren, die die Entwickler eingebaut haben könnten, sicher ausschließen - das ist bei Windows nicht der Fall und auch häufig Gegenstand von erhitzten Diskussionen unter Verschwörungstheoretikern.

Aus Faulheit vergessene Programm-Updates gehören unter Linux der Vergangenheit an - mit einem Mausklick lässt sich die ganze installierte Software über den sogenannten Paketmanager aktualisieren. Bei Windows und macOS müsste man sämtliche Anwendungen einzeln updaten oder es läuft von jedem Softwarehersteller ein eigenes Updateprogramm im Hintergrund, was Systemressourcen verschwendet.

Einfach gesagt: ein Programm, welches nach der Eingabe des Namens eines anderen Programms dieses und auch eventuelle Software, die von dem zu installierenden Programm benötigt wird, automatisch herunter lädt und installiert. Anstatt nun wie in Windows mühselig auf dutzenden Webseiten das gewünschte Programm zu suchen, herunterzuladen und dann auch noch zu installieren, kann man diese Schritte mit einem Mausklick durchführen.

Das Versehentliche Mitinstallieren von Schadsoftware oder Toolbars wird durch dieses Konzept auch unterbunden. Zudem ist jede Software, die im Paketmanager vorhanden ist, für die jeweilige Linux-Version geprüft. Manche Paketmanager haben sogar noch Nutzerkommentare, wie im App Store von Apple oder dem Google Play Store.

Da die Wenigsten für ihr Windows den Microsoft-Support nutzen, ist die Frage eigentlich recht schnell geklärt: Linux-User sind meistens hilfsbereiter als die Windows-User. Viele setzen sich mit den Grundlagen und der Materie auseinander, kennen sich aus und können Neulingen gut helfen. Es gibt viele Foren im Internet, in denen man schnell Hilfe bekommt, unter Linuxern hilft man sich eben gerne. Auch der nächste Hobby-Administrator ist meist nicht weit.

Dazu muss man allerdings sagen, dass man Unterstützung bei Linux gerade zu Anfang häufiger benötigt als bei Windows oder macOS: einige Treiber bekommt man häufig erst mithilfe der Community oder Tipps auf einschlägigen Internet-Seiten zum Laufen. Wenn alles läuft, hat man mit Linux weniger Wartungsaufwand zu bewältigen.

Da Linux eine frei verfügbare Software sein und bleiben soll, gibt es recht wenige Linux-CDs in Elektronikgroßmärkten. Der Großteil der Distributionen (Linux-Varianten verschiedener Hersteller) gibt es als kostenlosen Download im Internet. Wenn man ein gedrucktes Handbuch oder guten Herstellersupport – der bei Linux übrigens meist günstiger als bei Windows ist – möchte, kann man sich diese Extras auch kaufen. Als Heimanwender ist dies aber oft gar nicht nötig.

Name Beschreibung
Xubuntu Ubuntu-Ableger mit Xfce-Desktop. Ressourcenschonend, klassischer Desktop ähnlich Windows XP/7/10.
Linux Mint Basiert auf Ubuntu, bringt die eigenen Desktops Cinnamon und Mate mit.
elementaryOS Minimalistische Oberfläche, an Apple OS X angelehnt.
Fedora RPM-basierte Distribution mit aktuellerer Software als Ubuntu.

Es gibt auch sehr viele spezialisierte Linux-Distributionen 🇬🇧, die auf einen bestimmten Zweck zugeschnitten sind, beispielsweise für Penetrations-Tests 🇬🇧, Datenrettung oder die Partitionierung von Festplatten.

In der Regel sind die ISO-Images für die meisten Distributionen Live-CDs, mit denen man eine Linux-Distribution mit allen Programmen und dem gewünschen Desktop testen kann. Dies funktioniert mit einem sogenannten Hybrid-Image – die meisten Live-CDs sind Hybrid-Images – auch mit USB-Sticks. Es ist also nicht nur mit CDs/DVDs möglich, Linux auszuprobieren.

Mithilfe der Live-Medien erlauben es viele Linux Varianten, ein Linux anzusehen, ohne irgendwelche Veränderungen am Computer vornehmen zu müssen. Einige bekannte Beispiele für deartige Live-CDs sind zum Beispiel die Live-Installationsmedien von Debian oder die auf den Live-Betrieb ausgerichtete Linux-Geschmacksrichtung Knoppix.

Für den normalen Anwender ist der Zusatz "GNU" eher verwirrend und für die tägliche Interaktion mit dem System nicht wirklich relevant. Dennoch haben wir einen Wiki-Artikel, der den Namenszusatz erklärt.

  • Zuletzt geändert: 2019-12-20 14:21